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Die Geschichte vom Schälk
B236

Die Story

Bild: www.derwesten.de
Ein schöner Abschnitt der Bundesstrasse 236 befindet sich zwischen Schwerte - Ergste und Iserlohn – Letmathe.
Für viele Motorradfahrer/innen ist diese Strecke ein Ritual auf dem Weg vom Ruhrgebiet ins Sauerland.
Im Jahre 2005 wurde die Fahrbahndecke auf dem Streckenabschnitt grundsaniert, absolut neu, absolut plan, einfach gut. ( Es wurde gemunkelt, das ein Verantwortung tragender Mensch aus der Chefetage des Hauses „Landesbetrieb Strassen NRW“ die Strecke mit seinem Dienstwagen für die Fahrt von und zur Arbeit nutzen würde, und daraufhin die Strecke saniert worden sei! Aber ob an diesem Gerücht etwas dran ist kann ich nicht beurteilen.) Allerdings hatte die Strecke eine Sanierung absolut nötig!
Mehrer Mitglieder meiner Familie, allesamt Zwei- oder Drei- Radfans, stellten nach der ersten Runde über die kurvenreiche Straße fest: Eine Frage der Zeit bis was passiert. Der Belag und seine Beschaffenheit waren einfach zu gut.
Seit 2005 bis heute ereigneten sich auf der Strecke zahlreiche Unfälle mit Schwerverletzten und leider auch getöteten Motorradfahrern. Die Presse wurde immer negativer.
BildQuelle: DerWesten.de
Leider verwechselten dann in den letzten 3 Jahren einige „Biker“ die Strecke mit dem Nürburgring oder Zandvoort. Die Zahl derer, die sich Rennen auf einem Teil der Strecke lieferten, wurde immer größer. Eine schöne Linkskurve mutierte durch ihre Beschaffenheit (Parkmöglichkeit auf dem Seitenstreifen) zu einem Treffpunkt der schnellen Garde. Durch dieses rennmäßige Verhalten wurden zwar kaum Unfälle produziert, aber die Lärmbelästigung durch die heulenden Motoren jenseits der 10000 U/min verärgerte die Anwohner!
Ende 2007 wurde erstmals über Maßnahmen zur Unfallreduzierung auf der Strecke nachgedacht!
Teilnehmer dieser Komission:
Vertreter Straßen NRW
Polizei der Kreise Unna , Märkischer Kreis, Stadt Hagen
Ordnungsbehörden der Anrainer Städte (Schwerte, Hohenlimburg und Letmathe)
Vertreter der Biker-Union
Wir als Bundesverband wurden nicht eingeladen oder zugelassen!
In diversen Leserbriefen wurde von mir immer wieder auf unseren Verband und die Bereitschaft zur Mitarbeit hingewiesen. Ohne Erfolg!
Es folgten Schilder mit Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 70 km/h!
Erste verstärkte Radarkontrollen.
Kein Erfolg! Immer noch Rennen! Immer noch Unfälle!
In 2008 wurden nach Beratungen in der „Verkehrs / Unfallkommission“ sogenannte Rüttelschwellen aufgebracht.
Diese sollten die Motorradfahrer zum bremsen vor den Kurven zwingen.
Leider wurden diese Schwellen, die sich im Lippischen bewährt haben, in einer Sparversion für schlappe 40000 € eingebaut! Ca.1 bis 1,5 cm hoch .
In anderen Einsatzgebieten sind diese Dinger wesentlich höher und zwingen wirklich zum bremsen!
Bildquelle: WR Bodemer
Laut der Angabe auf der Homepage einer Vereinigung von Motorradfahrern sind in den betroffenen Kurven, die mit den Schwellen, die Unfälle nahezu auf Null zurückgegangen.
Aber jetzt gab es Unfälle in anderen Bereichen!
Noch Mitte 2008 wurde ein Artikel in der örtlichen Presse veröffentlicht „ Sperrung des Schälk für Motorradfahrer nicht in Sicht“
Auf den Hinweis man müsse die Strecke mehr kontrollieren und Präsenz der Polizei zeigen, wurde immer nur geantwortet das nicht genügend Personal vorhanden sei.
Ende 2008 dann die Schlagzeile „Ab 2. März 2009 Feiertags, Samstags und Sonntags für Motorradfahrer gesperrt“
Für mich als (Fast) Anwohner eigentlich verständlich. Denn wenn der Wind ungünstig steht höre ich die Maschinen sogar in meinem Garten (2,5 Km Luftlinie). Ich bin gegen Streckensperrungen! Aber es ging mir am Ar.... vorbei. Ich dachte nur: Selber schuld!
Durch meinen Beruf komme ich öfters mit Verwaltungsvorständen und Politikern zusammen und kenne auch einige davon recht gut.
Irgendwann traf ich einen der Landräte und diskutierte mit ihm über die Sperrung. Das lies mir dann die Ohren klingeln. Leider bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet so das ich nicht den Wortlaut wiedergeben kann.
Langsam ging mir doch die Hutschnur hoch.
Als dann Ostern 2009 an allen Tagen (Karfreitag bis Ostermontag) durch bis zu 8 Polizisten das Fahrverbot überwacht wurde, bin ich explodiert.
Wenn es um Einnahmen geht, ist auf einmal reichlich Personal da! Über die 4 Feiertage wurden mehr als 150 Motorradfahrer mit mindestens 15 € zur Kasse gebeten.
Selbst im Dezember 2009 , fast 9 Monate nach Einführung der Sperrung, ist selbst bei motorradfahrenden Polizisten aus dem Ruhrgebiet die Sperrung nicht bekannt. So fahren immer noch ahnungslose Biker in die Falle, weil sie die Schilder schlichtweg übersehen haben.
Nach den Ostertagen setzte sich bei mir dann der Plan fest gegen die Sperrung vorzugehen.
Zur Nachahmung empfohlen!
Mit dem BvdM Kontakt aufnehmen!
Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz einfordern!
(Muss gewährt werden, gegen Gebühr)
Mitstreiter suchen
Genau alles recherchieren!
Petition erarbeiten.* (weiteres zur Petition im Anhang)
Mit Behörden und Politikern Kontakt aufnehmen.
Friedliche Aktionen planen und durchführen, Aufmerksamkeit / Öffentlichkeit erregen**
Petition abgeben
Und warten! :-)
Bei uns lief das in etwa so ab.
Es wurde eine Demonstration für den 10. Mai 2009 angemeldet.
Eine Demonstration braucht nur angemeldet werden. Sie darf in fast keinem Fall verboten werden. Auch hierbei kann man sich auf die Unterstützung des Bundesverbands der Motorradfahrer sicher sein.
Wir wurden zu einer Vorbesprechung bei der Kreispolizeibehörde Unna eingeladen. Hier ging es nur um formelle Dinge. Allerdings muss man sich peinlich genau an die Absprachen halten. Im Schnitt kann man sagen dass für so eine Demonstration pro 30 Teilnehmer ein Ordner vorzeigbar sein muss. Hierbei konnte ich auf die Firma SD Rau zurückgreifen die uns 25 Ordner kostenfrei zur Verfügung stellte.
Auch muss für so eine Demo Werbung gemacht werden, damit auch genug Teilnehmer erscheinen. Hier wurden Handzettel gedruckt, Plakate ausgehängt und die einschlägigen Internetforen informiert. Auf unserer Homepage gab es auch laufend neue Infos zum Sachstand.
(Auch die Polizei sah auf der Homepage regelmäßig vorbei! *grins*)
Eine kurze Ansprache an die Teilnehmer will auch vorbereitet sein.
Nach der Demo, die mit über 400 Teilnehmern ein voller Erfolg war, interessierte sich auch die Öffentlichkeit stärker. Die Medien spielten mit und so musste man endlich merken, das wir nicht nur spielen wollten.
Am 9. Juni 2009 fuhren Michael Lenzen und ich zum Landtag nach Düsseldorf um unsere über 1200 Unterschriften der Vorsitzenden des Petitionsausschusses, Frau Howe, zu übergeben und unseren Standpunkt noch einmal klarzumachen.
In diesem Gespräch wurde uns signalisiert das weiter Gespräche folgen müssen.
Die Zeit verstrich von unserer Seite wurde weiter recherchiert und wir wurden endlich für den 07. Juni 2009 zu einem Anhörungsgespräch an der Strecke eingeladen. Leider kam es kurz vor diesem Treffen eine Unfallserie mit 5 beteiligten Motorradfahrern.
Am Anhörungstermin nahmen Frau Howe als Vorsitzende, Vertreter der Ordnungsbehörden, der Polizei, des Verkehrsministeriums, Strassen NRW und Michael Lenzen und meine Wenigkeit als Petent teil. Die Vertreter der Presse / Radio /Fernsehen mussten draußen bleiben.
Es wurde durch die Vertreter der Polizei festgestellt, das die Unfälle in diesem Bereich nicht durch die " Raser" verursacht wurden. Hauptsächlich verursachten junge (unerfahrene) Fahrer oder ortsunkundige Fahrer die Unfälle. Dies ist natürlich ein Zeichen dafür das die Strecke nicht als gefährlich zu erkennen ist. Daran muß gearbeitet werden.
Auch hier merkte man sehr schnell das unsere Argumente überzeugten. Nach gut eineinhalb Stunden waren die Standpunkte ausgetauscht und ein weiterer Termin für Ende Februar 2010 wurde angesetzt. In der Zwischenzeit sollen sich die verschiedenen Stellen mit uns über mögliche bauliche Veränderungen an der Strecke auseinandersetzen. Leider sind Behörden immer noch Behörden und keine Dienstleister und so vergeht die Zeit ohne das viel geschieht. Am 18. 11. wurde Strassen NRW angeschrieben damit wir einen Termin für die Gespräche ansetzen können.
Es ist nicht leicht, aber ich denke es ist möglich. Steht auf damit wir was bewirken können.
* Petition:
Eine Petition (lat. petitio „Angriff“, „Ersuchen“) bezeichnet eine Eingabe (Bitte oder Beschwerde) an eine zuständige Behörde oder an eine Volksvertretung. Es handelt sich meist um Bitten von Bürgern an Parlamente, Gesetze zu ändern bzw. zu beschließen. Petent wird derjenige genannt, der solch eine Petition einbringt. Die Zulässigkeit von Petitionen ist ein allgemein anerkannter Bestandteil demokratischer Grundrechte. Petitionen an Parlamente werden an den jeweiligen Petitionsausschuss weitergeleitet, der sie prüft und beantwortet.
Für eine Petition reicht eine Unterschrift. Aber je mehr Unterschriften zusammenkommen umso
besser!
**Aufsehen erregen / Öffentlichkeit erreichen
Wichtig ist in allen Fällen sachlich bleiben und nicht auf Angriffe anderer Seiten hereinfallen und unangenehm auffallen!
Wir haben in unserem Fall eine Demo organisiert, bei der die Motorräder auf einem Parkplatz abgestellt wurden und ein Teil der Strecke zu Fuß begangen wurde. Dafür musste die Bundesstrasse 236 für über 2 Stunden für jeden Verkehr gesperrt werden. Dieses Auftreten unsererseits wurde von vielen Mitmenschen gewürdigt. Wären wir in einem Konvoi von 250 bis 300 Maschinen über die Strecke gefahren wäre die Presse sehr wahrscheinlich negativer ausgefallen.
Aktualisiert (Montag, den 08. März 2010 um 20:23 Uhr)


